Ergonomie (ein Teilbereich der Arbeitswissenschaft) spielt in der Arbeitswelt eine wichtige Rolle. Ihr zufolge soll sich nicht der Mensch den Verhältnissen anpassen, sondern die Verhältnisse an den Menschen angepasst werden. Dies ist oft schon mit einfachen Maßnahmen erreichbar.

 

„Ist es nicht egal, wie man arbeitet, solange man sich gesund und kräftig fühlt?“ Nein. Denn bei der Arbeit auftretende Kräfte werden dadurch nicht geringer, sondern sind im fitten Zustand lediglich leichter ertragen. Unergonomische Arbeitsbedingungen lassen im Zuge des Arbeitsprozesses Hebel und Kräfte auftreten, die eigentlich nicht notwendig wären. So ist z. B. beim „falschen“ Heben einer Getränkekiste der Druck auf die Bandscheibe zwei- bis viermal so groß wie bei optimierter Hebetechnik. Jede Belastung ist ein Punkt auf dem persönlichen Belastungskontingent. Sind diese viermal so hoch oder noch höher, ist das Kontingent schneller erschöpft, und die belasteten Strukturen (Bandscheiben, Sehnen, Knorpel und Knochen) werden schneller mechanische Überlastungserscheinungen zeigen. Das kann alles Mögliche, von einfacher Schmerzsymptomatik bis zum Bandscheibenvorfall mit motorischen Ausfällen, bedeuten.

Wenn der Rücken schmerzt

Nicht alle ungünstigen Belastungen können aufgrund vorgegebener Arbeitsprozesse optimiert werden. Was also tun?

Richtige Arbeitshöhen, und damit aufrechte Körperhaltungen, verringern die Hebelkräfte auf die Wirbelsäule. Je aufrechter der Oberkörper im Arbeitsprozess, desto geringer diese Kräfte – egal, ob mit oder ohne Lastenhandhabung. Für die Küche lässt sich der Spruch „Wer viel schneidet, leidet“ z. B. mit Rahmen oder Auflagen unter den Schneidbrettern auf einfache, kostengünstige Weise entkräften.

Auch beim Heben und Tragen von Lasten gilt: Aufrechter Oberkörper, gebeugte Knie – geringere Kräfte. Werden schwere Lasten (ab ca. 10 kg) nicht am Boden, sondern möglichst über Kniehöhe gelagert, lassen sich die Hebelkräfte von vornherein verringern.

Umgekehrt gilt: Verringert man die Lasten nicht, führen die dadurch entstehenden Belastungen zu einer schnelleren Ermüdung und einem erhöhten Unfallrisiko (Stürzen, Fallen, Umknicken, …).

Je nach Arbeitsanforderung, legt das Reinigungs- und Küchenpersonal pro Arbeitstag bis zu 15 Kilometer zurück. Schon allein wegen des mangelnden Fersenhalts sind bei diesen Distanzen „Schlapfen“ nicht zu empfehlen. Ist kein Fersenhalt gegeben, krallen sich die Zehen im Fußbett fest. Dies führt zu Verspannungen in der Fußmuskulatur, welche sich auf den Rest des Körpers, vor allem auf den Rücken, übertragen können. Abgesehen von einer Unterstützung für den Fuß, bietet ein geschlossener, rutschfester Schuh aber auch Schutz vor heißem Wasser, chemischen Reinigungsmitteln oder Sturz und Fall.

Ergonomische, meist verstellbare, Arbeitsmittel entfalten ihre Wirkung erst, wenn sie an den Benutzer angepasst werden. Die Teleskopverbindungen an Staubsaugern und Wischmops sollen weitgehend aufrechte Körperhaltungen und körpernahes Arbeiten ermöglichen. Zu groß eingestellte Stiele führen zu Ausweichbewegungen in der Schulter und somit meist zu Verspannungen. Die Reinigung langer Gänge sollte daher weniger mit der richtigen Wischtechnik, sondern eher mit Hilfe entsprechender Reinigungsmaschinen (z. B. Geräte mit Frisch- und Brauchwassertanks) durchgeführt werden: ergonomischer, sicherer und schneller.

Ergonomie als Präventionsmaßnahme

Ergonomie ist nicht zwingend ein Kostenfaktor. Vielmehr ist zu betonen, dass die Wichtigkeit des Themas von der Führungsebene erkannt und mitgetragen wird. Erst wenn Ergonomie den Stellenwert einer „MUSS-“ statt einer „KANN“-Bestimmung bekommt, wird die Bedeutung für alle Beteiligten deutlich und die Maßnahmen werden nach und nach wie selbstverständlich umgesetzt. Dann bringt ergonomisches Arbeiten dem Unternehmen und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Vorteil.

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