Viele Menschen fragen sich derzeit, ob Handschuhe einen zusätzlichen Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus bieten. Ob es sinnvoll ist, Handschuhe außerhalb des medizinischen Umfelds zu tragen, und was bei der Verwendung von Handschuhen beachtet werden soll, haben wir aus arbeitsmedizinischer Sicht für Sie zusammengefasst.

Fotocredit Ri_Ya-/pixabay

Viren sind mit freiem Auge nicht erkennbar. Das heißt, man kann nicht ohne Weiteres feststellen, ob eine Oberfläche kontaminiert ist. Berührt man mit den ungewaschenen Händen das Gesicht, besteht die Gefahr, die Viren von der kontaminierten Oberfläche über die Hände auf die Schleimhaut von Mund, Nase oder Augen zu bringen und sich so zu infizieren. Das kann jedoch durch konsequentes Einhalten der empfohlenen Hygienemaßnahmen – häufiges Waschen oder Desinfizieren der Hände, keine Berührung des Gesichts mit den Händen – verhindert werden.

 

Handschuhe als Schutz?

Das Tragen von Handschuhen verhindert die Verbreitung von Viren nicht. Ganz im Gegenteil: Das Tragen von Handschuhen kann zu einer trügerischen Sicherheit führen!

Auch mit Handschuhen ist es möglich, dass Viren in den Gesichtsbereich gelangen. Ebenso kann es trotz der Verwendung von Handschuhen beim unkritischen Berühren von Oberflächen oder beim falschen Ausziehen der Handschuhe zu einer weiteren Kontamination der Umgebung kommen. Damit beim Ausziehen der Handschuhe keine ungewollte Kontamination der Hände stattfindet, dürfen die sauberen Finger nicht mit der Außenseite der Handschuhe in Berührung kommen. Das richtige Ausziehen der Handschuhe ist in nachfolgender Abbildung dargestellt:

Korrektes Ausziehen der Handschuhe - Schritt 1-6 (Fotocredit: lwtaf)

Handschuhe sollten nur in jenen Arbeitsbereichen getragen werden, wo es Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nicht möglich ist, die Hände regelmäßig mit Wasser und Seife zu waschen oder zu desinfizieren.

 

Worauf ist beim Tragen von Einmalschutzhandschuhen zu achten?

  • Einmalschutzhandschuhe müssen aus Hygiene- und Hautschutzgründen regelmäßig gewechselt und nach einmaligem Gebrauch entsorgt werden!
  • Wie oft ein Schutzhandschuh aus Hygienegründen gewechselt werden muss, ist situationsabhängig und muss individuell beurteilt werden.
  • Das Tragen flüssigkeitsdichter Handschuhe führt zu einer Hautbelastung. Auch daher sind regelmäßige Handschuhwechsel einzuplanen, idealerweise kombiniert mit Tragepausen, in denen die Haut die Möglichkeit hat, zu trocknen und etwas zu regenerieren. Bei starkem Schwitzen unter flüssigkeitsdichten Handschuhen können Baumwollunterziehhandschuhe verwendet werden. Diese sollten spätestens bei Durchfeuchtung gewechselt und bei 60 Grad gewaschen werden.
  • Das Tragen flüssigkeitsdichter Handschuhe über einen Zeitraum von mehr als zwei Stunden pro Tag ist mit der Hautbelastung von „Nassarbeit“ gleichzusetzen und fordert die konsequente Einhaltung von Hautschutzmaßnahmen. Sonst ist mit gehäuftem Auftreten von Hautproblemen (siehe auch „Berufsbedingte Hauterkrankungen“) zu rechnen. Deshalb ist die Verwendung von geeigneten Hautschutzcremen und rückfettenden Hautpflegecremen (siehe auch AUVA-Broschüre „Gesunde Haut – Auswahl von beruflichen Hautmitteln“) ein absolutes Muss!
Die richtige Eincremetechnik sorgt dafür, dass keine Stellen vergessen werden (Fotocredit: R. Reichhart).

Nitril, Latex oder Vinyl? Welches Material soll es sein?

Einmalschutzhandschuhe bestehen üblicherweise aus Nitril, Latex oder Vinyl. Aus arbeitsmedizinischer Sicht sind ungepuderte Einmalschutzhandschuhe aus Nitril am besten geeignet, weil sie weniger Allergien auslösen als Latexhandschuhe und – anders als Vinylhandschuhe – für den Umgang mit fetthaltigen Lebensmitteln, aber auch für den Umgang mit unkritischen Chemikalien gut geeignet sind.

Wichtig: Handschuhe ersetzen nicht die richtige Handhygiene!

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