Durch die heftigen Schneefälle der letzten Tage sind viele Dächer großen Schneelasten ausgesetzt. Doch Vorsicht: Beim Abschaufeln dieser Dächer passieren immer wieder schwere Unfälle.

Überdurchschnittliche Schneemassen stellen eine große Last für Dächer dar. Um diese von den Lasten zu befreien, legen viele Hausbesitzer daher selbst Hand an und steigen mit der Schneeschaufel aufs Dach. Das ist jedoch sehr gefährlich. Wer ungesichert aufs Dach steigt, kann leicht abstürzen – das passiert meist durch Fehltritte oder auch als Folge eines witterungsbedingten Ausrutschens. Eine weitere Gefahrenquelle sind nicht-durchbruchsichere Dachöffnungen (z. B. Lichtkuppeln, Dachausstiegsfenster), oder nicht-durchbruchsichere Dachelemente (Kunststoff-Dächer, Faserzement-Wellenplatten, Glas, …), die aufgrund der Schneemassen nicht sichtbar sind. Tritt man darauf, ist die Gefahr hoch, in das Dachinnere einzubrechen.

Größte Vorsicht walten lassen

Auf Grund der österreichischen Baugesetze und dem Normenwerk für Dächer ist Schneeräumen nur bei Extremwetterlagen notwendig. Die Bauwerke sind sowohl von der Lastannahme als auch von der Gebäudestatik für überdurchschnittliche Schneemassen konzipiert. Sollten Wetterkapriolen, wie sie derzeit herrschen, dennoch ein Freischaufeln von Dächern notwendig machen, ist dabei größte Vorsicht geboten.

Sicherheitsmaßnahmen unbedingt beachten

Um Unfälle zu vermeiden, rät die AUVA dringend davon ab, selbst aufs Dach zu steigen. Sollte ein Entfernen der Schneelasten notwendig werden, ist es sinnvoll Spezialisten heranzuziehen. Fachfirmen und Einsatzorganisationen, wie z. B. die Feuerwehr, haben Erfahrung und die entsprechende Ausrüstung, um diese Aufgabe sicher zu erledigen. Doch selbst für Experten gelten folgende Sicherheitsmaßnahmen:

Vor dem Betreten des Daches:

  • Klären Sie vor dem Betreten des Daches ab, ob es einer zusätzlichen Belastung standhält.
  • Sind Dacheinbauten (z. B. Lichtkuppeln, Lichtelemente, Glasdächer) vorhanden? Wo befinden sich diese und sind diese durchbruchsicher?
  • Gibt es Sicherungssysteme (z. B. Seilführungssysteme am Dach, Anschlagpunkte) und wo sind diese angebracht?
  • Bei größeren Dächern muss ein Fachmann die Räumrichtung und die Reihenfolge einer feldweisen Räumung festlegen. Bei einseitiger Entfernung des Schnees können Stabilitätsprobleme an der Dachkonstruktion auftreten. Für eine gleichmäßige Belastung der Dachkonstruktion soll der Schnee abschnittsweise abwechselnd auf der einen und der anderen Dachseite entfernt werden.
  • Gefahrenzonen im und rund um das Gebäude im Vorfeld absichern (z. B. durch Lawinenstangen, Warndreiecke oder Personen), damit keine Personen verletzt werden.
  • Bergungsmöglichkeiten und -maßnahmen für möglicherweise abgestürzte Personen festlegen. Diese Maßnahmen gehören bereits im Vorfeld geklärt, sodass sie im Einsatzfall vorliegen.

Beim Betreten des Daches:

  • Dächer nur gesichert betreten (§ 87 BauV).
  • Sind etwaige Sicherungssysteme unter den Schneemassen auffindbar und wenn ja, sind diese auch funktionsfähig? Wenn nicht, müssen Ersatzmaßnahmen getroffen werden wie z. B. Seile, die über das Dach gespannt werden, oder die Sicherung am stillgesetzten Kranhaken (das aber nur streng nach den Regelungen in den D-A-CH-S Dokumenten).
  • Dacheinbauten und Dachaufbauten, z. B. aus Kunststoff, sind als nicht-durchbruchsichere Bereiche anzusehen.
  • Alleinarbeit ist strengstens verboten. Im Falle eines Absturzes oder eines Durchbruchs muss eine unverzügliche Bergung der Person gewährleistet sein, da selbst bei Verwendung der Persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) durch ein mögliches Hängetrauma bereits ab ca. 10 Minuten Lebensgefahr besteht.

Bei Fragen zum Thema stehen die Präventionsexpertinnen und -experten der AUVA-Landesstelle Wien jederzeit gerne zur Verfügung. Kontaktieren Sie uns unter sichereswissen@auva.at

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