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Psychische Belastung am Arbeitsplatz kann die Gesundheit der Arbeitnehmer:innen beeinträchtigen. Mit Hilfe der Evaluierung werden Risikofaktoren festgestellt, um geeignete Präventionsmaßnahmen abzuleiten.

(c): counselling/pixabay

Faktoren aus der Arbeitssituation können positive oder negative Wirkung auf uns Menschen haben. So wie es körperliche Risikofaktoren gibt, existieren auch psychische Risikofaktoren am Arbeitsplatz, die das Befinden und die Gesundheit sowohl kurzfristig als auch langfristig beeinträchtigen können. Bei der Arbeit stellen Faktoren wie ungünstige Arbeitszeiten, monotone Tätigkeiten, Personalmangel, fehlende Anerkennung oder auch tätliche und verbale Übergriffe von Kunden:Kundinnen belastende Faktoren dar, die sich negativ auf die Gesundheit der Arbeitnehmer:innen auswirken können. Aber was ist eigentlich arbeitsbedingte psychische Belastung?

 

Als psychische Belastung bezeichnet man alle Aspekte der Arbeitssituation, die emotionale und kognitive Vorgänge beeinflussen (z. B. Information, Kommunikation, Umgebungsbedingungen, …). Nach ÖNORM EN 10075-1 bedeutet psychische Belastung „… alle Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken.“ Psychische Belastung ist also nicht im Menschen, sondern kommt von außen. Es geht somit nicht um die Einstellungen von Menschen gegenüber ihren Arbeitsbedingungen (Zufriedenheit, Motivation, …), sondern um die Einwirkung der Arbeitsbedingungen auf den Menschen. Grundsätzlich werden Belastungen neutral gesehen; je nach Ausprägung und Intensität können sie zu positiven oder negativen Auswirkungen bei den Arbeitenden führen.

 

Was ist psychisch gesund, was nicht?

Beispiele für positive psychische Belastung am Arbeitsplatz sind:

  • Mitarbeiter:innen mit Handlungsspielraum (z. B. bezüglich der Tagesplanung, der Reihenfolge der Arbeitsschritte, der Auswahl der Arbeitsmittel, etc.),
  • eine gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden und unter den Kollegen:Kolleginnen (Informationsaustausch, Unterstützung, Wertschätzung),
  • vielseitige und ganzheitliche Tätigkeiten und Aufgaben,
  • Entwicklungsperspektiven für Mitarbeiter:innen,
  • arbeitsbezogene Prozesse, die Orientierung bieten, transparent und planbar sind.

 

Negative psychische Belastung am Arbeitsplatz sind z. B.

  • häufige unkontrollierbare Arbeitsunterbrechungen,
  • emotionaler Druck auf Mitarbeiter:innen (Beschwerden von Kunden:Kundinnen, Freundlichkeitsdruck in Dienstleistungsberufen),
  • unklare Informationen oder Arbeitsaufträge, die immer wieder mit Mehraufwand ausgebessert werden müssen,
  • gleichförmige, reizarme, monotone Arbeitsaufgaben,
  • Beeinträchtigung der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung durch ungünstige Umgebungsbedingungen (Lärm, Licht, Hitze, etc.).

 

Auswirkungen negativer psychischer Belastung

Negative psychische Belastung kann sich auf unterschiedlichen Ebenen auswirken. Beim Menschen kann es kurz-, mittel- und langfristig zu Beeinträchtigungen kommen, die sich sowohl im Verhalten als auch körperlich bemerkbar machen: Die kognitive Leistungsfähigkeit wird beeinträchtigt, d. h. die betroffenen Arbeitnehmer:innen werden unaufmerksamer, die Konzentration lässt nach, was zu einer höheren Fehleranfälligkeit bei der Arbeit führen kann. Durch permanente Anspannung und Unruhe kommt es oftmals zu erhöhter Reizbarkeit, was wiederum Konflikte in der Zusammenarbeit im Team und mit Vorgesetzten hervorrufen kann. Darüber hinaus kann es zu Auswirkungen auf der körperlichen Ebene kommen, wie z. B. Verschlechterung des Immunsystems, Häufung von Infekten, aber auch eine Zunahme von Erkrankungen des Herz-Kreislauf- bzw. des Muskel-Skelett-Systems.

 

Neben den Auswirkungen auf einzelne Personen spiegeln sich psychische Belastungsfaktoren auch im betrieblichen Alltag wider. Das macht sich z. B. bemerkbar in einer Verschlechterung der Arbeitszufriedenheit und des Betriebsklimas; es kommt vermehrt zu Problemen in der Zusammenarbeit, und kann sich negativ auf Fluktuation, Krankenstandstage, Arbeitsunfälle aber auch auf die Qualität von Produkten und Leistungen auswirken. Daher ist es für Unternehmen wichtig, gute Arbeitsbedingungen zu schaffen. Denn gute Arbeitsbedingungen sind die Basis, damit Arbeitnehmer:innen gesünder, zufriedener, leistungsfähiger und motivierter sind und bleiben. Außerdem tragen sie zu einer Reduktion von Spannungen im Team bei und helfen dabei, die betriebliche Leistungsfähigkeit zu steigern.

 

Für eine optimale Gestaltung von Arbeitsbedingungen ist es wichtig, dass Arbeitgeber:innen die vorhandenen Risikofaktoren im eigenen Unternehmen kennen. Um diese aufzuzeigen, ist die Evaluierung arbeitsbedingter psychischer Belastung erforderlich.

 

Evaluierung arbeitsbedingter psychischer Belastung

Die Evaluierung arbeitsbedingter Belastung ist laut ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) verpflichtend durchzuführen. Die Ermittlung und Beurteilung psychischer Belastung dient dazu, gesundheitsgefährdende Belastungen durch die Arbeitsbedingungen festzustellen und passende betriebliche Maßnahmen dagegen umzusetzen. Gegenstand der Evaluierung arbeitsbedingter psychischer Belastung sind ausschließlich die Bedingungen bzw. Verhältnisse, unter denen Arbeit stattfindet. Es geht nicht um die Messung von Arbeitszufriedenheit, Burn-out, Leistung, Stress oder ähnlichem bei einzelnen Mitarbeitenden, sondern um konkrete Einflussfaktoren aus den vier Belastungsdimensionen (lt. § 3 Abs. 2 ASchG Stand der Technik/ÖNORM EN 10075):

  1. Arbeitsaufgabe und Tätigkeiten: z. B. emotionale Belastung durch Umgang mit schwierigen Kunden:Kundinnen, hohe Verantwortung, Daueraufmerksamkeit bei Überwachungstätigkeiten etc.
  2. Arbeitsorganisation:  z. B. Arbeitstempo, Pausengestaltungen, Schichtarbeit, unklare Zuständigkeiten, häufige Unterbrechungen etc.
  3. Arbeitsumgebung:  z. B. Lärm, Klimabedingungen, Beleuchtung und Belichtung, Arbeitsmittel und Arbeitsstoffe, Software etc.
  4. Organisationsklima:  z. B. Führungsverhalten, Kommunikation, Zusammenhalt, Handlungsspielräume etc.

 

Für die Durchführung der Evaluierung arbeitsbedingter psychischer Belastung stehen – je nach Anforderungen des Unternehmens – unterschiedliche Verfahren kostenfrei zur Verfügung:

 

Webinare und Vorträge

Die unterschiedlichen Verfahren sowie ein Einblick in die einzelnen Phasen der Evaluierung psychischer Belastung und Tipps für die Umsetzung sind auch Inhalte im

Webinar: Evaluierung psychischer Belastung kompakt

am 24. November 2022,

von 09:00 – 12:00 Uhr

Teilnahmebeitrag: € 60,00 

Anmeldung bis 23.11.2022

Zudem bietet das AUVA-Präventionsteam aus den Bereichen Arbeitspsychologie und Arbeitsmedizin interessierten Unternehmen Beratungen und Vorträge rund um die Themen Stress und Psychische Belastung am Arbeitsplatz an.

Weitere Infos:

 

Sie haben Fragen zum Thema? Das Präventionsteam der AUVA steht Ihnen gerne zur Verfügung. Schreiben Sie uns unter sichereswissen@auva.at